DI 16.06.2026 | 19:00 UHR
„Stadtentwicklung braucht Initiativen“
Kulturbühne Globe, Beverbäker Wiesen
Möglichkeiten und Beispiele von Bürgerinitiativen als wertvolle Akteure in der Stadtentwicklung auf lokaler Ebene (z. B. in Oldenburg und Celle) und europäischer Ebene werden durch Vorträge und Gespräche vorgestellt.
Vorträge von einem Gründungsmitglied der Kulturgenossenschaft GLOBE, von Susanne Witt (Architektin aus Celle), von der Architektin Karen Schäfer (Architects for Future) sowie Susanne Jungkunz (Sozialplanung der Stadt Oldenburg) mit anschließender Diskussion.
Private Initiativen im Bereich der Stadtentwicklung und Baukultur zeigen auf, wo Handlungsbedarf besteht und gehen dabei auch unkonventionelle Wege. Wie solche Initiativen entstanden sind und mit welchen Problemen sie zu kämpfen hatten, aber auch von welcher Seite ihnen Unterstützung zu Teil wurde, wird an drei Initiativen gezeigt. Im Publikumsgespräch können einzelne Aspekte dazu vertieft werden.
Die „Kulturgenossenschaft GLOBE“ wurde im Jahr 2017 gegründet, um das seit 30 Jahren leerstehende Kino „GLOBE“, das ursprünglich für britische Soldaten erbaut wurde, als Kulturort und Denkmal zu erhalten. Wie es dazu kam und was seitdem erreicht wurde, wird ein Gründungsmitglied der Genossenschaft berichten. Das GLOBE dient als kultureller Treffpunkt und Ort der sozialen Integration im Stadtteil Neu-Donnerschwee.
Mit seinen vielfältigen Veranstaltungen wirkt es jedoch weit über den Stadtteil hinaus und trägt so zu einer lebendigen Stadt- und Quartiersentwicklung bei. Ziel der Genossenschaft war es von Beginn an, das vom Verfall bedrohte ehemalige Soldatenkino in eine lebendige Kulturbühne zu verwandeln. Das Baudenkmal sowie das Engagement der Initiative wurden inzwischen von nationalen Stiftungen, durch Bundesförderungen und von der britischen Botschaft anerkannt. Seit seiner Gründung arbeitet das GLOBE eng mit der Oldenburger Kulturszene zusammen und ist ein Beispiel für ehrenamtliches Engagement. Mit seinem abwechslungsreichen Programm erhält das GLOBE zunehmend Aufmerksamkeit in der Stadt.
Als Architects for Future (A4F) setzt sich die Initiative für eine klimagerechte Bauwende ein. Sie arbeiten in und mit der Baubranche, engagieren sich ehrenamtlich und gemeinnützig – sowohl in der Bewegung als auch im Verein – und setzen sich für einen nachhaltigen Wandel im Bauwesen ein. Die Initiative ist international, überparteilich, autonom und demokratisch organisiert. Ihre Arbeit richtet sich sowohl an Fachleute aus der Baubranche und an die Politik als auch an die gesamte Gesellschaft.
Entstanden ist A4F als solidarische Fachinitiative zur Fridays for Future-Bewegung im Sommer 2019 und seit 2020 ist die Organisation auch als Verein strukturiert. Zu Anfang ging es darum, das Thema Bauwende überhaupt zu setzen und die Notwendigkeit einer grundlegenden Transformation im eher innovationsträgen Bauwesen klarzumachen. Denn die Bauwirtschaft ist weltweit weiterhin für enorme Emissionen, Abfallaufkommen sowie Ressourcen- und Flächenverbrauch verantwortlich. Gleichzeitig liegt genau darin ein riesiges Einsparpotenzial, wenn alle Beteiligten Verantwortung übernehmen und die Hebel für diesen enormen Einfluss in Richtung Nachhaltigkeit umgelegt werden. Die Initiative hat zuerst 7 und dann 10 Forderungen aufgestellt, anhand derer sie inzwischen häufiger darüber spricht, wie der notwendige Wandel ausgestaltet werden kann.
Eine private Initiative kann maßgebliche Impulse für eine breit geführte Diskussion innerhalb der Stadtgesellschaft setzen – dies zeigt das Beispiel eines leerstehenden Karstadt-Gebäudes in Celle. Die Architektin Susanne Witt erläutert, wie Vertreter eines Zusammenschlusses von drei Fachverbänden, die unter dem Label „Gemeinschaftswerk-Werkgemeinschaft" agieren, einen interdisziplinären Ideenwettbewerb initiiert haben. Ziel dieses Verfahrens war es, tragfähige Perspektiven für die Nachnutzung des Gebäudes zu entwickeln.
Im Rahmen des Wettbewerbs wurden rund 90 vielfältige und kreative Nutzungskonzepte eingereicht, prämiert und öffentlich ausgestellt. Darüber hinaus entfaltete der Wettbewerb eine weitreichende Wirkung: Er gab den Anstoß für eine breit angelegte Diskussion innerhalb der Stadtgesellschaft über zentrale Fragen der Stadtentwicklung in Celle sowie über Aspekte der Bau- und Energiewende.
Die außerordentlich positive Resonanz auf den Ideenwettbewerb verdeutlicht das erhebliche Potenzial, das durch eine frühzeitige und mutige Einbindung der Öffentlichkeit in Planungs- und Entwicklungsprozesse erschlossen werden kann.
Foto: ©Susanne Witt
Karen Schäfer ist gelernte Bauzeichnerin und studierte Architektur und Städtebau an der Leibniz Universität Hannover, der ENSA Lyon und der PUC Valparaíso. In ihrer Masterarbeit beschäftigte sie sich mit den Potenzialen der stillen Wohnraumreserve in der Region Hannover.
Seit ihrem Studienende im Sommer 2024 sammelte sie berufspraktische Erfahrungen im Architekturbüro (Mosaik Architekt:innen bda, Hannover) und war als Lehrbeauftragte am Institut für Entwerfen und Städtebau der Leibniz Universität Hannover tätig.
Seit 2020 engagiert sie sich sowohl auf lokaler Ebene in Hannover als auch in der bundesweiten Politik- und Öffentlichkeitsarbeit von Architects For Future.
Als Teil des Abrisskollektivs, einer aus einer studentischen Arbeit an der Leibniz Universität hervorgegangenen Initiative, erforscht sie außerdem seit 2023 die paradoxe Selbstverständlichkeit der gegenwärtigen Abrisspraxis.
Als Juniormitglied der Architektenkammer Niedersachsen setzt sie sich auch auf berufspolitischer Ebene für eine klima- und sozialgerechte Bauwende sowie die Interessen des beruflichen Nachwuchses ein. Seit Anfang 2023 ist sie Mitglied des Vorstandes sowie des Ausschusses für Klimaschutz und Nachhaltigkeit der AKNDS.
Veranstaltungsort
Gemeinnützige Kulturgenossenschaft Globe e.G.
Beverbäker Wiesen 4
26123 Oldenburg