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Impressionen

18.4. „Die verschiedenen Etappen des Ankommens und des Bleibens“ / Einführungsveranstaltung des bau_werk Sommers 2016 – in Zusammenarbeit mit IBIS e.V.

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Die sehr gut besuchte Eröffnungsveranstaltung zeigte, um wen und was es eigentlich bei der „Aufnahme“ geht und welche „Zustände“ zu bemerken sind. Hervorzuheben ist die Aussage des amtierenden Oberbürgermeisters von Oldenburg in seiner Begrüßungsrede, dass diese Stadt keine speziellen Flüchtlingswohnungen, sondern „gute und bezahlbare Wohnungen  für Menschen gleich welcher Herkunft“  benötige. Herr Ilse von Ibis berichtete unter anderem über die Erfahrung mit den unterschiedlichen Flüchtlingsunterbringungen und der jahrzentelangen Flüchtlingsarbeit von Ibis.

Wichtig sind vor allem langfristigere Perspektiven der Integration, so auch bei den 3 eingeladenen geflüchteten Personen, die sehr persönlich und überaus eindrucksvoll das frühere Leben in ihrer Heimat, den Weg hierher und vor allem auch ihre Wünsche für die Zukunft schilderten. Auch wenn , wie hier, eine Lehrerin, ein Chemiker und ein Versicherungskaufmann sicher kein repräsentatives Bild der Geflüchteten darstellen, so wurde doch deutlich, dass vor allem eine ganz normale Eingliederung in die hiesige Gesellschaft angestrebt wird: Nette deutsche Nachbarn, das Häuschen im Grünen, die Bedeutung der Familie. Solche Wünsche klingen gar nicht fremd und konnten teilweise auch schon eingelöst werden.

1.6. : „Soziale Aspekte Gesellschaftlicher Integration von Geflüchteten“

Langjährige wissenschaftliche Begleitung und praktische Erfahrungen mit Integration bei verschiedensten Projekten konnte Frau Prof. Dr. Breckner von der Hamburger Hafen Uni vermitteln. Teilweise waren ihre Analysen der dabei aufgetretenen gesellschaftlicher Widerstände, z. B. der Abwehr von Flüchtlingsunterkünften, gerade in wohlhabenden Nachbarschaften, beschämend; – aber auch bei Verwaltungen  musste von ihr teilweise Unvermögen zur zielgerichteten Zusammenarbeit festgestellt werden. Nüchtern schilderte sie einen langwährenden Prozess zwischen  Eingliederung und Isolation,  bei dem viele Geflüchteten verständlicherweise auch Nähe „zu ihren Leuten“  suchen und der vor Rückschlägen nicht gefeit ist. Gesellschaftliche Anerkennung und/durch Arbeit konnten als die wichtigsten Punkte festgehalten werden.

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30.6. „Welche Aufgaben können Architektur und Städtebau bei der Integration übernehmen?“ / Podiumsdiskussion:

Home Not Shelter

Teilnehmer:

Robert Ambrée (Montag Stiftung Urbane Räume), Prof. (Verw.) Hans Drexler (FB Architektur, Jade HS / Projekt „Home Not Shelter“, Stephan Klein (Architekt bei der GSG, Oldenburg), Gabriele Nießen (Stadtbaurätin Oldenburg), Moderation: Michael Ziehl (Urbanist & Publizist)

Der Podiumsdiskussion gelang es, die konkrete Situation vor Ort in Oldenburg mit Erfahrungen anderer Kommunen und Einrichtungeninteressant zu mischen. Die Stadtbaurätin Frau Nießen betonte, dass zwischen einer kurzfristigen Unterbringung und der mittel- bis langfristigen Wohnungsversorgung zu unterscheiden sei. Große, konzentrierte Wohneinrichtungen sollen nicht längerfristig bestehen bleiben. Einig waren sich die Diskussionsteilnehmer, dass das Hauptproblem fehlender preiswerter Wohnraum ist. Ein Grund unter anderem sind die inzwischen hohen Bau- und Baunebenkosten wie Hans Drexler betonte. Robert Ambrée hob genossenschaftliche Wohnprojekte aus anderen Kommunen hervor die auch gute Möglichkeiten der Partizipation von Bürgern bieten.

Zugleich wurde die Ausstellung „Home not Shelter“ eröffnet, die aktuelle Arbeiten von Studierenden zu innovativen Wohnprojekte zum Fluchtthema zeigte

4.08. „Flüchtling aufs Land“ / „bau_werk unterwegs in Westerstede – Ihausen

Nach der traditionellen Sommerpause fand das erste Treffen unserer Veranstaltungsreihe in Ihausen, im ländlichen Teil der Stadt Westerstede, statt. Im dortigen „Dörpgemeinschafthus“ setzte bau_werk die seit nun vier Jahren befestigte Tradition fort, eine Veranstaltung der Saison außerhalb Oldenburg in einer Nachbarstadt zu veranstalten. Der Bürgermeister von Westerstede, Herr Klaus Groß, stellte in seiner Begrüßungsrede die Bemühungen der Stadt Westerstede vor, welche sich gerade in Richtung der dezentralen Unterbringung von Flüchtlingen bewegen. Diese Politik hat die Stadt im vergangenen Jahr sehr erfolgreich durchgesetzt. Daraus sind Geschichten einer gelungenen Integration entstanden, ohne dass nennenswerte Konflikte entstehen konnten.

In dieser Hinsicht passte der Veranstaltungsort zum Thema des Abends hervorragend. Dr. Reiner Braun von der Empirica-Gesellschaft aus Berlin erläuterte mit vielen Statistiken und Diagrammen, wie die Problematik der Unterbringung von  Flüchtlingen die Entleerung einiger deutschen Regionen kompensieren könnte. Empirica hatte dazu festgestellt, dass dort, entgegen mancher Vermutungen, durchaus unbesetzte Stellen und damit Chancen auf dem Arbeitsmarkt vorhanden sind oder mit Flüchtlingen initiiert werden könnten.

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23.08. „Die Integration von Flüchtlingen in Oldenburg nach 1945“ / Vortrag

Flucht Flüchtlinge Heimatvertriebene Baracken Barackenlager Dobben

Dr. Andreas von Seggern, Leiter des Stadtmuseums Oldenburg, hat mit seiner Dissertation „Großstadt wider Willen. Zur Geschichte der Aufnahme und Integration von Flüchtlingen und Vertriebenen in der Stadt Oldenburg nach 1944″ promoviert. Mit Hilfe historischer Aufnahmen stellte er an diesem Abend die damalige Bewältigung dieses Flüchtlingsaufkommens vor. Die Problematik des fehlenden Wohnraumes, welche in Oldenburg trotz geringeren Kriegszerstörungen durch die am Boden liegende Bauwirtschaft und generell sehr geringere Wirtschaftskraft verursacht war, half bei der Gründung des sozialen Wohnungsbaus und verschiedener Wohnungsbaugesellschaften, die dann die große Aufgabe mit teilweisen bemerkenswerten baulichen und städtebaulichen Ergebnissen, meisterte.

Ein großes Publikum besuchte diese Veranstaltung. Sehr bewegend war die Teilnahme mehrerer Zeitzeugen, die in der nachfolgenden Diskussion Gelegenheit bekamen, Ihre Erfahrungen aus Ihrem Ankommen als Flüchtling zu erzählen.

06.09.16 „Wohnraum schaffen“ / Ausstellung zweier Wettbewerbe

In 2016 wurden in Niedersachsen und Bremen und nahezu zeitgleich in der Region Groningen Wettbewerbe mit ähnlicher Zielsetzung zu der Aufgabe  „ bezahlbaren, relativ schnell umsetzbaren, in der Qualität angemessenen und in der Wirkung nachhaltigen Wohnraum“ zu schaffen, durchgeführt.

Die Ergebnisse der prämierten Arbeiten beider Wettbewerbe wurden in der bau_werk-Halle vom 6.9. bis zum Ende der Saison ausgestellt. Zur Vorstellung der Ergebnisse konnte ein  Vertreter der Jury von der Architektenkammer Niedersachsen sowie Wettbewerbsteilnehmer aus Holland gewonnen werden. Die Ergebnisse wurden in einer anschließenden Podiumsdiskussion vertieft.

Interessant schon in ihrer unterschiedlichen Herangehensweise und Schwerpunktbildung, in Holland mehr den sukzessiven Entwicklungsprozess sowie den städtebaulichem und landschaftlichem Bezug betonend,  in Nds. und HB dagegen sehr umsetzungsorientiert auf die Grundstücke ausgerichtet, die in einigen Städten für eine schnelle Umsetzung verfügbar sind, kommen beide Wettbewerbe hinsichtlich der gestellten Zielsetzung zu Ergebnissen, auf deren Umsetzung man gespannt sein darf.

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30.09 „Der große Abend der Superintegratoren“ /Abschlussveranstaltung

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Traditionell veranstaltet bau_werk zum Abschluss seiner Saison einen ganz besonderen Abend. Einen Abend, der das übergreifende Thema der vergangenen Monate zusammenfasst und auf neue, ungewöhnliche Art präsentiert.

Die Integration von geflüchteten Menschen in diese Stadt, seine Umkreise und das ganze Land stellte und stellt uns vor besondere Aufgaben der „Zuwendung“.

Dies wurde auch von den Besuchern des Abends gefordert. Besonders aktive, herausragende, interessante und „betroffene“ Menschen, hier „Superintegratoren“ genannt, erzählten aus immer neuen Positionen von ihren Aktivitäten oder auch „ihre Geschichten“. Es wurde zu der Musik aus der ehemaligen Heimat der Geflüchteten getanzt, von der Flucht erzählt, gepoem slamt, gesungen, von einer Weltreise berichtet und und und. Insgesamt ein sehr vielfältiges und teilweise durchaus „ergreifendes“ Programm, das den Machern mit langem Beifall entlohnt wurde.

Im Anschluss wurde noch lange gemeinsam getanzt, gegessen und geplaudert. In verschiedenen Sprachen, Stilen und Geschmacksrichtungen. Bunt durcheinander und dadurch so interessant und bereichernd für alle Seiten.